Ich bin seit weniger als 15 Monaten in Deutschland

Asylbewerber und Menschen mit einer Duldung, die sich seit weniger als 15 Monaten in Deutschland aufhalten, haben lediglich Anspruch auf eine gesundheitliche Notversorgung. Das bedeutet, dass sie nur bei akuten Erkrankungen medizinisch versorgt werden. Die Behandlung chronischer Erkrankungen wird meist nicht übernommen. Ausnahmen gelten für schwangere Frauen, die Zugang zu allen bei Schwangerschaft und Geburt in Deutschland üblichen medizinischen Leistungen haben. Zudem besteht für alle Personen die Möglichkeit sich impfen zu lassen. Mehr zum Thema "Impfung" erfahren Sie in unserem Kapitel "Impfungen".

Wenn Sie seit weniger als 15 Monaten in Deutschland sind, müssen Sie in der Regel vor jedem Arztbesuch einen Krankenschein bei der zuständigen Behörde beantragen. Das bedeutet konkret, dass Sie entweder alle drei Monate einige Krankenscheine von Ihrer Erstaufnahmeeinrichtung oder Ihrem Sachbearbeiter im Sozialamt bekommen oder Sie bei einer Erkrankung zunächst einen Krankenschein bei Ihrer Erstaufnahmeeinrichtung oder Ihrem Sachbearbeiter abholen müssen, bevor Sie zum Arzt gehen können. Beachten Sie bitte, dass diese Krankenscheine nur drei Monate lang gültig sind. Nach Ablauf dieser drei Monate, müssen Sie sich einen neuen Krankenschein besorgen.

Anstelle des bürokratisch aufwendigen Systems mit den Krankenscheinen verteilen einzelne Bundesländer / Kommunen sogenannte Gesundheitskarten an Asylbewerber und Geduldete. Mit dieser Gesundheitskarte können Sie ohne den Umweg über die Behörde direkt zum Arzt gehen. Aber auch hier gilt weiterhin: Sie haben lediglich Anspruch auf eine Notfallbehandlung. Der Vorteil der Gesundheitskarte ist lediglich ein geringerer bürokratischer Aufwand für alle Beteiligten.

Die Medikamente, die der Arzt Ihnen verschreibt, müssen Sie normalerweise selbst bei einer Apotheke abholen. Die Apotheke dürfen Sie selbst wählen. In der Regel müssen Sie für Ihre Medikamente nicht bezahlen, sondern nur Ihr Rezept in der Apotheke abgeben. Die Apotheke holt sich das Geld dann vom Sozialamt zurück. Eine Apotheke in Ihrer Nähe finden Sie auf aponet.de.

Ich bin seit mehr als 15 Monaten in Deutschland

Asylbewerber und Geduldete, die sich bereits mehr als 15 Monate in Deutschland aufhalten, erhalten deutschlandweit eine sogenannte „Gesundheitskarte für Flüchtlinge“. Hiermit haben Sie ohne den Umweg über die zuständige Behörde Zugang zu medizinischer Versorgung. Wenn Sie zu dieser Gruppe gehören, haben Sie -  abgesehen von Leistungen der Pflegeversicherung - Anspruch auf die regulären gesundheitlichen Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung. Sie sind aber kein Mitglied einer gesetzlichen Krankenkasse, sondern stehen lediglich in einer Art Betreuungsverhältnis zu ihr. Die Krankenkasse holt sich das Geld anschließend von den Behörden zurück. Von welcher gesetzlichen Krankenkasse Sie betreut werden, dürfen Sie selbst bestimmen. Welche gesetzlichen Krankenkassen es gibt und auf welche Leistungen Sie Anspruch haben, erfahren Sie in unserem Kapitel „Krankenversicherung". Die Anmeldung erledigt die Behörde für Sie.

Bitte beachten Sie: Die „Gesundheitskarte für Flüchtlinge“ sieht genauso aus wie eine normale Krankenversicherungskarte – bis auf einen Unterschied: Auf der Rückseite der Gesundheitskarte für Flüchtlinge ist keine Europäische Krankenversichertenkarte (EHIC) abgebildet. Die Daten, die auf der Gesundheitskarte für Flüchtlinge gespeichert sind unterscheiden sich außerdem von den Daten der regulär Versicherten. Die Gesundheitskarte für Flüchtlinge beinhaltet nämlich ein spezielles Kennzeichen. Daran kann der Arzt erkennen, dass der Besitzer der Karte kein reguläres Mitglied der Krankenkasse ist.

Wie finde ich einen Arzt?

Nach Ihrer Ankunft in Deutschland werden Sie zunächst in einer Erstaufnahmeeinrichtung untergebracht. Dort findet in der Regel eine medizinische Voruntersuchung statt und akute Erkrankungen werden auch sofort behandelt. Wenn Sie sich krank fühlen, sprechen Sie gleich einen Mitarbeiter vor Ort an.

Später können Sie zu jedem Arzt gehen, der nicht nur Privatpatienten behandelt. Einige Ärzte behandeln nur Patienten, die bei einer privaten Krankenversicherung Mitglied sind. Diese Patienten bezahlen die Arztkosten direkt beim Arzt.

Einen Arzt in Ihrer Nähe können Sie auf der Website der Bundesärztekammer suchen. Wenn Sie zuerst auf Ihr Bundesland und dann auf „Erweiterte Suche“ klicken, können Sie dort auch nach einem Arzt suchen, der Ihre Sprache spricht. Wenn Sie keinen Arzt finden, der Ihre Sprache spricht, können Sie einen Dolmetscher mitbringen. Wenn Sie keinen Dolmetscher kennen, können Sie einen Mitarbeiter in Ihrer Unterkunft oder eine Beratungsstelle um Hilfe bitten. Eine Beratungsstelle in Ihrer Nähe finden Sie z.B. auf der Website der Landesflüchtlingsräte.

Im Medcial Phrasebook for Refugees finden Sie einen Basiswortschatz für die erste Kontaktaufnahme, damit Sie dem Arzt sagen können welche Symptome Sie haben. Körperteile und gängige Krankheiten sind auch aufgeführt.

Wird eine psychiatrische Behandlung bezahlt?

Asylbewerber und Geduldete können die Übernahme von Therapiekosten beim Sozialamt beantragen. Lassen Sie sich hierzu von einem Sozialarbeiter in Ihrer Unterkunft oder einer Beratungsstelle helfen. Eine Beratungsstelle in Ihrer Nähe finden Sie z.B. auf der Website der Landesflüchtlingsräte. Wird der Antrag nicht sofort abgelehnt, findet eine Begutachtung und Einschätzung durch einen vom Sozialamt beauftragten Arzt statt. Entsprechende Anträge werden allerdings oft abgelehnt, weil die Behörden Therapien für Menschen mit unsicherem Aufenthaltsstatus nicht bezahlen wollen. Aus diesem Grund gibt es für Personen, deren psychiatrische Behandlung nicht bezahlt wird, kostenfreie Therapieplätze über spezielle Behandlungszentren für Geflüchtete. Es ist aber sehr schwierig einen Platz in einem dieser Behandlungszentren zu bekommen, weil es zu wenige davon gibt. Die Adressen dieser Behandlungszentren finden Sie auf der Website der Bundesweiten Arbeitsgemeinschaft der psychosozialen Zentren für Flüchtlinge und Folteropfer.

Was kann ich tun, wenn ich keine Papiere habe?

Auch wenn Sie sich ohne Papiere in Deutschland aufhalten, haben Sie nach dem AsylbLG grundsätzlich Anspruch auf eine medizinische Versorgung bei akuten Erkrankungen. Um diese Versorgung wahrnehmen zu können, müssen Sie aber vorab einen Krankenschein beim Sozialamt holen. Ohne Krankenschein kann Sie der Arzt nicht behandeln. Das Sozialamt wird dann aber auch die Ausländerbehörde über Ihren Aufenthalt informieren.

Es gibt aber einige Organisationen, die Menschen ohne Papiere anonym ärztlich behandeln. Die Hilfe bei diesen Organisationen ist kostenlos. Ihr Aufenthalt wird nicht an das Sozialamt oder die Ausländerbehörde weitergeleitet. Auf der Website gesundheit-ein-menschenrecht.de können Sie nach einer solchen Organisation in Ihrer Nähe suchen. Außerdem können Sie auch auf der Website der Malteser und der Medibüros nach anonymer ärztlicher Hilfe in Ihrer Nähe suchen.

Bitte beachten Sie: Krankenhäuser dürfen Ihre Daten nicht an andere Menschen oder Behörden weitergeben. Haben Sie also keine Angst davor IM NOTFALL ein Krankenhaus aufzusuchen oder den Notarzt zu rufen.

Was kann ich bei einem Notfall tun?

In akuten medizinischen Notfallsituationen, können Sie den Rettungsdienst unter der Nummer 112 erreichen. Der Anruf ist kostenlos. Sie können sich außerdem an die Notaufnahme in jedem Krankenhaus wenden. Es kann passieren, dass Sie in der Notaufnahme lange warten müssen.

Wenn eine Person Vergiftungserscheinungen zeigt, können Sie auf kindergesundheit-info.de nach einer Giftnotrufzentrale in Ihrer Nähe suchen. Die Giftnotrufzentralen sind Tag und Nacht erreichbar.

Wenn Sie außerhalb der normalen Öffnungszeiten Medikamente kaufen wollen, müssen Sie zu einer Notapotheke gehen. Auf aponet.de können Sie die nächstgelegene Notapotheke suchen.