Kann ich Elterngeld bekommen?

Sie können Elterngeld bekommen, wenn

Wichtig: Wenn Sie eine Aufenthaltserlaubnis aufgrund der Härtefallregelung oder eines Abschiebungsverbots haben, können Sie erst nach drei Jahren Aufenthalt in Deutschland Elterngeld beantragen.

Arbeit ist keine Voraussetzung für Elterngeld. Elterngeld können Arbeitnehmer, Selbständige, Beamte, Arbeitslose, Studierende, Auszubildende und Hausfrauen & Hausmänner beantragen. Aber: Wenn Sie allein mehr als 250.000 Euro pro Jahr oder Sie und der andere Elternteil zusammen mehr als 500.000 Euro pro Jahr verdienen, können Sie kein Elterngeld beantragen.

Die Regelungen zum Elterngeld gelten sowohl für Ihr leibliches Kind als auch für das leibliche Kind Ihres Partners, Pflegekinder und Adoptivkinder. In besonderen Fällen können Sie auch für Ihr Enkelkind oder ihre Nichten und Neffen Elterngeld bekommen. Das geht aber nur, wenn sich die Eltern des Kindes nicht selbst um das Kind kümmern können.

Kann ich Elterngeld bekommen, wenn mein Kind in die Kita geht?

Ja. Elterngeld können Sie auch bekommen, wenn Ihr Kind tagsüber in eine Kita geht oder von einer Tagesmutter betreut wird. Mehr zum Thema Kinderbetreuung finden Sie in unserem Kapitel „Kinderbetreuung“.

Muss ich Elternzeit nehmen, um Elterngeld zu bekommen?

Nein. Elterngeld ist von der Elternzeit unabhängig. Sie dürfen aber nicht mehr als 30 Stunden pro Woche arbeiten, um einen Anspruch auf Elterngeld zu haben.

Welche Varianten von Elterngeld gibt es?

Es gibt zwei Varianten von Elterngeld: das Basiselterngeld und das ElterngeldPlus.

Beim Basiselterngeld können die Eltern zusammen pro Kind 12 Monate lang Elterngeld bekommen. Wenn Sie sich den Bezug von Basiselterngeld untereinander aufteilen, können Sie zwei weitere Monate Basiselterngeld beziehen. Dabei können Sie die Monate, in denen Sie Elterngeld bekommen, frei untereinander aufteilen. Die einzige Regel ist, dass jedes Elternteil mindestens zwei Monate und höchstens 12 Monate lang Elterngeld in Anspruch nehmen kann. Wenn Sie alleinerziehend sind, können Sie 14 Monate Basiselterngeld bekommen.

Beim ElterngeldPlus können die Eltern zusammen pro Kind doppelt so lange – also 24 Monate – Elterngeld bekommen, erhalten dafür aber pro Monat nur die Hälfte des Basiselterngelds. Sie können zusätzlich vier zusätzliche Monate EltergeldPlus bekommen, wenn Sie beide während dieser Zeit zwischen 25 und 30 Stunden pro Woche arbeiten. Wenn Sie alleinerziehend sind, können Sie diese vier zusätzlichen Monate ebenfalls bekommen.

Bitte beachten Sie: Sie können beide Varianten miteinander kombinieren. Das bedeutet, dass Sie z.B. zunächst sechs Monate Basiselterngeld beziehen und anschließend 12 Monate ElterngeldPlus beziehen können.

Wieviel Elterngeld bekomme ich?

Wie viel Elterngeld Sie bekommen, ist von Ihrer Lebenssituation und der von Ihnen gewählten Elterngeld-Variante abhängig. Grundsätzlich orientiert sich das Elterngeld an der Höhe des monatlichen Nettoeinkommens der letzten 12 Monate, das derjenige Elternteil, der Elterngeld beantragt, vor der Geburt hatte. Von diesem Betrag bekommen Sie zwischen 65% und 100% als Elterngeld ausgezahlt. Umso höher Ihr Einkommen war, desto geringer ist der Prozentsatz. Das bedeutet, dass Sie bei niedrigem Einkommen 100% Ihres Nettoeinkommens bekommen. Wenn Sie viel verdient haben, bekommen Sie 65% Ihres früheren Nettoeinkommens als Elterngeld.

Für das Elterngeld gibt es Mindest- und Höchstgrenzen. Ihr Basiselterngeld wird – abhängig von Ihrem früheren Einkommen - mindestens 300 Euro und höchstens 1800 Euro monatlich betragen. Beim ElterngeldPlus werden Sie mindestens 150 Euro und höchstens 900 Euro monatlich bekommen. Wenn Sie vor der Geburt kein Einkommen hatten, bekommen Sie den Mindestbetrag von 300 bzw. 150 Euro. Wichtig: Wenn Sie während des Bezugs von Elterngeld arbeiten, wird Ihr Elterngeld entsprechend gekürzt.

Familien mit mehreren kleinen Kindern bekommen einen sogenannten „Geschwisterbonus“. Das ist ein Zuschlag auf das Ihnen zustehende Elterngeld von 10%. Um den Geschwisterbonus zu bekommen, müssen Sie mindestens ein weiteres Kind unter drei Jahren oder zwei weitere Kinder unter sechs Jahren haben. Bei einer Mehrlingsgeburt (Zwillinge, Drillinge, …) bekommen Sie außerdem pauschal 300 Euro für jedes weitere Kind.

Mit Hilfe eines Elterngeldrechners können Sie berechnen, welche Variante (Basiselterngeld, ElterngeldPlus oder eine Kombination aus beiden) für Sie am besten ist und wie viel Elterngeld Sie bekommen können. Auf der Website familienportal.de finden Sie sowohl einen Schnellrechner als auch einen Elterngeldrechner, der Ihnen eine ausführliche Berechnung bietet.

Bitte beachten Sie: Wenn Sie als verheiratetes Paar schon frühzeitig wissen, dass Sie Elterngeld beantragen wollen, sollten Sie eventuell die Steuerklasse wechseln, um Ihr Nettoeinkommen zu erhöhen. Die Person, die hauptsächlich Elterngeld beziehen wird, sollte in die Steuerklasse III wechseln. Dies müssten Sie mindestens sieben Monate vor der Geburt (beim Vater) bzw. vor Beginn des Mutterschutzes (bei der Mutter) machen. 

Wo und wie beantrage ich Elterngeld?

Den Antrag auf Elterngeld stellen Sie bei der Elterngeldstelle Ihres Bundeslandes. Die für Sie zuständige Elterngeldstelle finden Sie auf der Website elterngeld.net. Für den Antrag gibt es ein Formular, das Sie ausfüllen müssen. In Bayern und Sachsen müssen Sie den Antrag digital einreichen. In den anderen Bundesländern schicken Sie den Antrag per Post. Das für Ihr Bundesland gültige Formular sowie die Adresse der für Sie zuständigen Elterngeldstelle finden Sie auf der Website familienportal.de.

Auf dem Formular müssen Sie angeben, welcher Elternteil für welchen Zeitraum Elterngeld beziehen möchte. Die Aufteilung und Zeiträume können Sie danach noch einmal ändern. In besonderen Fällen auch ein weiteres Mal. Beide Elternteile müssen den Antrag unterschreiben, sofern Sie verheiratet sind oder sich das Sorgerecht für das Kind teilen.

Bitte beachten Sie: Elterngeld können Sie bis zum 14. Lebensmonat Ihres Kindes beantragen. Es ist besser Elterngeld nicht nach Kalendermonaten, sondern nach den Lebensmonaten des Kindes zu beantragen. Wenn Sie nach Kalendermonaten rechnen, bekommen Sie weniger Geld.

Stellen Sie den Antrag unbedingt rechtzeitig. Eine Auszahlung des Elterngelds kann höchstens drei Monate rückwirkend erfolgen. Wenn Sie Ihren Antrag zu spät stellen, verlieren Sie also möglicherweise Geld.

Welche Unterlagen brauche ich für den Elterngeldantrag?

Für den Antrag benötigen Sie die folgenden Unterlagen:

Bitte beachten Sie: Wenn sich Ihre Lebenssituation ändert, müssen Sie das der Elterngeldstelle mitteilen. Wenn Sie z.B. zusätzliches Einkommen haben, sind Sie verpflichtet dies mitzuteilen, da Ihr Einkommen Einfluss auf die Höhe Ihres Elterngelds hat.

Kann ich zusätzlich zum Elterngeld auch Geld vom Jobcenter oder Sozialamt bekommen?

Elterngeld wird als Einkommen angerechnet. Das bedeutet, dass Ihr Arbeitslosengeld 2 oder Ihre Sozialhilfe um den Betrag Ihres Elterngelds gekürzt wird. Sie erhalten in diesem Fall also nicht mehr Geld als ohne Bezug von Elterngeld. Nur, wenn Sie vor der Geburt erwerbstätig waren, können Sie einen sogenannten Elterngeldfreibetrag geltend machen. Die Höhe dieses Elterngeldfreibetrags ist abhängig von der Höhe Ihres früheren Einkommens. Mehr dazu erfahren Sie auf der Website arbeitslosenselbsthilfe.org.

Bin ich während des Bezugs von Elterngeld krankenversichert?

Wenn Sie bisher in der gesetzlichen Krankenkasse pflichtversichert waren, bleiben Sie dort versichert. Sie müssen aber keine Beiträge bezahlen. Außer Sie arbeiten Teilzeit weiter. Wenn Sie freiwillig in der gesetzlichen Krankenversicherung versichert waren, bleiben Sie dort ebenfalls versichert, müssen aber in der Regel Beiträge bezahlen. Eine Ausnahme gibt es hier nur, wenn Sie die Voraussetzungen für die Familienversicherung erfüllen. In diesem Fall müssen Sie dann keine Beiträge bezahlen.

Wenn Sie bisher privat krankenversichert waren, bleiben Sie dort versichert und müssen weiterhin Ihre Beiträge bezahlen.

Wo kann ich mich zum Thema Elterngeld beraten lassen?

Die Elterngeldstelle Ihres Bundeslands kann Sie zum Thema Elterngeld beraten. Die für Sie zuständige Elterngeldstelle finden Sie auf der Website elterngeld.net. Außerdem können Sie sich auch an eine Migrationsberatung für Erwachsene wenden. Die Mitarbeiter*innen dort sprechen viele Sprachen und helfen Ihnen gerne weiter. Eine Migrationsberatung in Ihrer Nähe finden Sie auf der Website bamf.de.