Kann ich die Schwangerschaft abbrechen?

Laut §218 StGB ist eine Abtreibung in Deutschland rechtswidrig. Unter bestimmten Umständen ist eine Abtreibung aber dennoch möglich und wird auch nicht bestraft:

  1. Entscheiden Sie sich für einen Schwangerschaftsabbruch, dann müssen Sie gesetzliche Fristen und Regelungen einhalten. Sie können bis zu zwölf Wochen nach der Empfängnis abtreiben lassen, wenn Sie vorher eine Beratungsstelle aufgesucht haben und nach dem Gespräch eine Beratungsbescheinigung erhalten haben. Diese belegt, dass Sie als Schwangere umfassend beraten wurden. Beratungsstellen in Ihrer Nähe finden Sie auf der Website von familienplanung.de. Die Beratung ist kostenlos.
  2. Wenn Sie durch eine Vergewaltigung schwanger geworden sind, können Sie bis zu zwölf Wochen nach der Empfängnis abtreiben lassen. In diesem Fall müssen Sie keine Beratungsstelle aufsuchen. Sie können sich aber kostenlos bei einer Beratungsstelle in Ihrer Nähe beraten lassen.
  3. Wenn Ihre körperliche oder psychische Gesundheit durch die Schwangerschaft gefährdet ist, können Sie auch zu einem späteren Zeitpunkt noch abtreiben. Die Gefährdung muss von einem Arzt bescheinigt werden.

Bitte beachten Sie: Wenn Sie unter 18 Jahre alt sind und die Schwangerschaft abbrechen wollen, müssen Ihre Mutter oder Ihr Vater in der Regel zustimmen. Wenn Sie über 16 Jahre alt sind, kann der Arzt entscheiden, dass Sie die Zustimmung Ihrer Eltern nicht mehr brauchen. Wenn Sie unter 16 Jahre sind, brauchen Sie in der Regel die Zustimmung eines Elternteils. Wenn Sie Ihren Eltern nichts über die Schwangerschaft sagen können, wenden Sie sich an eine Beratungsstelle. Die Mitarbeiter dort werden Ihnen helfen. Beratungsstellen in Ihrer Nähe finden Sie auf der Website von familienplanung.de. Die Beratung ist kostenlos.

Wer bezahlt die Kosten für eine Abtreibung?

Wenn Sie durch eine Vergewaltigung schwanger geworden sind oder Ihre Schwangerschaft Ihre Gesundheit gefährdet, übernimmt Ihre Krankenkasse oder das Sozialamt die Kosten für die Abtreibung. Wenn Sie Ihre Schwangerschaft aus anderen Gründen beenden möchten, müssen Sie einen Teil der Kosten selbst bezahlen. Ihre Krankenkasse bezahlt in diesem Fall nur die ärztliche Beratung und Betreuung sowie die Medikamente vor und nach dem Eingriff. Die Kosten für die eigentliche Abtreibung müssen Sie selbst bezahlen. Das sind in der Regel zwischen 200€ und 600€. Mehr zu den verschiedenen Möglichkeiten eines Schwangerschaftsabbruchs erfahren Sie in vielen verschiedenen Sprachen auf zanzu.de.

Bitte beachten Sie: Wenn Sie Leistungen vom Sozialamt, Jobcenter, BAB oder BAföG bekommen oder nur wenig Geld verdienen, können Sie die Übernahme der Kosten für die Abtreibung bei Ihrer Krankenkasse oder dem Sozialamt beantragen.

Ich möchte das Kind nicht behalten, aber auch nicht abtreiben - was kann ich tun?

Sie können Ihr Kind nach der Geburt zur Adoption freigeben. Das Jugendamt übernimmt dann zunächst die Fürsorge für Ihr Kind und kümmert sich um Ihr Kind. Wenn Sie sich dann endgültig dafür entscheiden, dass Sie Ihr Kind nicht selbst großziehen möchten, können Sie es zur Adoption freigeben. Das Jugendamt sucht dann eine fürsorgliche Familie, die Ihr Kind großziehen wird.

Wenn niemand von Ihrer Schwangerschaft erfahren darf, gibt es trotzdem die Möglichkeit Ihr Kind zur Welt zu bringen. Sie sind dabei auch nicht alleine. Es gibt die Möglichkeit einer sogenannten „vertraulichen Geburt“. Bei einer „vertraulichen Geburt“ können Sie Ihr Kind sicher in einem Krankenhaus zur Welt bringen. Mit Ausnahme einer Beraterin wird niemand Ihren Namen erfahren. Die Beraterin darf mit niemandem über Sie sprechen. So bleiben Sie unerkannt. Nach 16 Jahren hat Ihr Kind unter Umständen das Recht, Ihren Namen zu erfahren. Abgesehen von Ihrem Kind hat aber niemand das Recht dazu. Die Kosten für die Beratung und die Geburt müssen Sie nicht selbst bezahlen. Wenn Sie eine „vertrauliche Geburt“ möchten, können Sie sich rund um die Uhr unter der Telefonnummer 0800-4040020 oder online an die Beratungsstelle „Beratung & Geburt vertraulich“ wenden. Die Beratung ist kostenlos und anonym. Die Mitarbeiterinnen dort sprechen viele Sprachen. Auf der Website finden Sie auch eine Beratungsstelle in Ihrer Nähe. Alternativ können Sie sich auch an jede Klinik wenden. Die Mitarbeiterinnen dort wissen, was zu tun ist.

Was ist die "Pille danach"?

Wenn Sie ungeschützt Sex hatten und Angst haben, dass Sie schwanger werden könnten, können Sie innerhalb von zwölf Stunden nach dem Geschlechtsverkehr die sogenannte „Pille danach“ nehmen. Die „Pille danach“ kann die Befruchtung der Eizelle verhindern. Sie bekommen die „Pille danach“ ohne Rezept in jeder Apotheke. Sie kostet in der Regel zwischen 15€ und 30€. Wenn Sie länger als zwölf Stunden warten, sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass die „Pille danach“ wirkt.  Bitte beachten Sie: Die „Pille danach“ ist keine Abtreibungspille. Sie kann eine Schwangerschaft nur verhindern, nicht aber abbrechen. Wenn Sie bereits schwanger sind, ist es für die „Pille danach“ also bereits zu spät.

Wie kann ich generell eine ungewollte Schwangerschaft verhindern?

Die gängigsten Verhütungsmittel sind Kondome und die sogenannte „Antibabypille“. Kondome können Sie in Supermärkten, Drogerien und Apotheken kaufen. Die Antibabypille muss Ihnen ein Frauenarzt verschreiben. Diese Pille greift in Ihren natürlichen Hormonhaushalt als Frau ein und ist ein Medikament, darum ist Sie auch nur in der Apotheke erhältlich. Sie kostet in der Regel pro Monat zwischen 10€ und 20€. Für gesetzlich versicherte Frauen unter 18 Jahren bezahlen die Krankenkassen die Kosten. Wenn Sie zwischen 18 und 20 Jahre alt sind, müssen Sie nur 10% der Kosten für die Antibabypille selbst bezahlen, wenn Sie bei einer gesetzlichen Krankenkasse versichert sind. Wenn Sie privat versichert sind, müssen Sie die Kosten – unabhängig von Ihrem Alter – selbst bezahlen. Wenn Sie noch im Asylverfahren sind, können Sie Ihren Sachbearbeiter im Sozialamt fragen, ob das Sozialamt die Kosten übernehmen kann. Wenn Sie mehr zur Wirkung der Antibabypille oder anderer Verhütungsmittel wissen möchten, lassen Sie sich von einem Frauenarzt oder bei einer Beratungsstelle beraten. Frauenärzt*innen finden Sie auf frauenaerzte-im-netz.de. Beratungsstellen findne Sie auf profamilia.de. Informationen zum Thema Verhütung finden Sie außerdem in vielen Sprachen auf der Website zanzu.de.