Aufenthaltserlaubnis aus humanitären Gründen

Sie können eine Aufenthaltserlaubnis aus humanitären Gründen (§25 Abs. 5 AufenthG) bekommen, wenn es langfristig nicht möglich ist, dass Sie in Ihr Heimatland zurückkehren, weil z.B. Sie für längere Zeit reiseunfähig sind oder Ihr Heimatland sich weigert, Ihnen einen Pass auszustellen.

Konkret müssen Sie die folgenden Voraussetzungen erfüllen:

  • Sie haben seit mindestens 18 Monaten eine Duldung. Wenn Sie seit weniger als 18 Monaten in Deutschland sind, kann die Ausländerbehörde entscheiden, ob Sie diese Aufenthaltserlaubnis trotzdem bekommen oder nicht. Bei der Entscheidung spielen die Dauer Ihres Aufenthalts in Deutschland und Ihre Integration in den Arbeitsmarkt eine entscheidende Rolle.
  • Sie können nicht in Ihr Heimatland zurückkehren, weil Sie z.B. reiseunfähig sind oder Sie keinen Pass bekommen können.
  • Sie müssen Deutsch auf dem Niveau A2 sprechen. Das können Sie z.B. mit einem Zertifikat oder einem Schul-, Ausbildungs- oder Universitätsabschluss nachweisen.
  • Ihr Lebensunterhalt muss überwiegend durch eigenes Einkommen gesichert sein. Das bedeutet, dass Sie in der Regel keine Asylbewerberleistungen bekommen dürfen. Die Ausländerbehörde kann aber von dieser Voraussetzung absehen, wenn sie davon ausgeht, dass Ihr Lebensunterhalt in der Zukunft gesichert sein wird.
  • Falls Sie Kinder haben, müssen diese die Schule besuchen.
  • Sie müssen sich zur freiheitlichen demokratischen Grundordnung bekennen und entsprechende Grundkenntnisse vorweisen. Diese lernen Sie in der Regel im Orientierungskurs. Der Orientierungskurs ist ein Teil des Integrationskurses.
  • Sie dürfen Ihre Abschiebung nicht durch Täuschung oder fehlende Mitwirkung verhindert haben.
  • Sie dürfen keine Verurteilungen wegen Straftaten haben
  • Sie müssen einen Pass oder Passersatz oder einen Reiseausweis für Ausländer haben oder nachweisen, dass Sie sich um einen Pass oder Passersatz bemüht haben und keinen bekommen.

Mehr Informationen zu §25 Absatz 5 AufenthG ( Aufenthaltserlaubnis aus humanitären Gründen) finden Sie auf dem Infoblatt des Flüchtlingsrats Sachsen-Anhalt

Sobald Sie Ihre Aufenthaltserlaubnis verlängern müssen, prüft die Ausländerbehörde, ob eine Ausreise oder Abschiebung möglich sind. Wenn eine Ausreise oder Abschiebung möglich sind, kann es passieren, dass Ihre Aufenthaltserlaubnis nicht verlängert wird und Sie zur Ausreise aufgefordert werden. Nehmen Sie in diesem Fall sofort Kontakt zu einer Beratungsstelle oder einen Anwalt auf. Einen Anwalt oder eine Beratungsstelle finden Sie z.B. auf der Website der Rechtsberaterkonferenz oder bei ProAsyl.

Aufenthaltserlaubnis für gut integrierte Erwachsene

Sie können eine Aufenthaltserlaubnis wegen nachhaltiger Integration (§25b AufenthG) bekommen, wenn Sie schon lange in Deutschland sind und hier gut integriert sind.

Konkret müssen Sie die folgenden Voraussetzungen erfüllen:

  • Sie müssen sich seit acht Jahren ununterbrochen in Deutschland aufhalten und all die Jahre über irgendeine Art von Aufenthaltspapier (Aufenthaltsgestattung, Duldung, etc.) gehabt haben. Wenn Sie minderjährige Kinder haben, müssen Sie sich seit sechs Jahren in Deutschland aufhalten. Bitte beachten Sie: Wenn Sie für 30 Monate eine Beschäftigungsduldung hatten, müssen Sie diese Voraussetzung nicht erfüllen.
  • Sie müssen Deutsch auf dem Niveau A2 sprechen. Das können Sie mit einem Zertifikat oder einem Schul-, Ausbildungs- oder Universitätsabschluss nachweisen.
  • Falls Sie Kinder haben, müssen diese die Schule besuchen.
  • Ihr Lebensunterhalt muss überwiegend durch eigenes Einkommen gesichert sein. Das bedeutet, dass Sie in der Regel keine Asylbewerberleistungen bekommen dürfen. Die Ausländerbehörde kann aber von dieser Voraussetzung absehen, wenn sie davon ausgeht, dass Ihr Lebensunterhalt in der Zukunft gesichert sein wird.
  • Sie müssen sich zur freiheitlichen demokratischen Grundordnung bekennen und entsprechende Grundkenntnisse vorweisen. Diese lernen Sie in der Regel im Orientierungskurs. Der Orientierungskurs ist ein Teil des Integrationskurses.
  • Sie dürfen Ihre Abschiebung nicht durch Täuschung oder fehlende Mitwirkung verhindert haben.
  • Sie dürfen keine Verurteilungen wegen Straftaten haben
  • Sie müssen einen Pass oder Passersatz oder einen Reiseausweis für Ausländer haben oder nachweisen, dass Sie sich um einen Pass oder Passersatz bemüht haben und keinen bekommen.

Mehr Informationen zu §25b AufenthG ( Aufenthaltserlaubnis bei nachhaltiger Integration) finden Sie auf dem Infoblatt des Flüchtlingsrats Sachsen-Anhalt.

Aufenthaltserlaubnis für gut integrierte Jugendliche und Heranwachsende

Jugendliche zwischen 14 und 21 Jahren können eine Aufenthaltserlaubnis für gut integrierte Jugendliche und Heranwachsende (§25a AufenthG) bekommen, wenn sie schon länger in Deutschland sind und hier gut integriert sind.

Konkret müssen die folgenden Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Der Jugendliche muss sich seit 4 Jahren ununterbrochen in Deutschland aufhalten.
  • Er muss erfolgreich die Schule besuchen, d.h. dass er jedes Jahr in die nächsthöhere Klasse versetzt wird oder bereits einen deutschen Schul- oder Berufsschulabschluss hat.
  • Es darf keine konkreten Anhaltspunkte dafür geben, dass er sich nicht zur freiheitlichen demokratischen Grundordnung bekennt. Das wäre z.B. der Fall, wenn er in einer extremistischen oder terroristischen Organisation aktiv ist.
  • Die Ausländerbehörde muss davon ausgehen, dass er sich weiterhin gut in die deutsche Gesellschaft integrieren wird, also z.B. nach seinem Schulabschluss eine Ausbildung oder ein Studium absolvieren wird oder eine Arbeit finden wird.
  • Er muss den Antrag auf die Aufenthaltserlaubnis vor Vollendung seines 21. Lebensjahres stellen.
  • Er darf keine Verurteilungen wegen Straftaten haben
  • Er muss einen Pass oder Passersatz oder einen Reiseausweis für Ausländer haben oder nachweisen, dass er sich um einen Pass oder Passersatz bemüht hat und keinen bekommt.
  • Er muss den Antrag auf die Aufenthaltserlaubnis nach §25a AufenthG vor seinem 21. Geburtstag stellen.

Die Eltern oder Ehepartner eines Jugendlichen, der diese Aufenthaltserlaubnis bekommt, können ebenfalls eine Aufenthaltserlaubnis nach §25a bekommen, wenn Sie Ihre Abschiebung nicht durch Täuschung oder fehlende Mitwirkung verhindert haben, keine Straftaten begangen haben und Ihren Lebensunterhalt selbst sichern können.

Mehr Informationen zu §25a AufenthG ( Aufenthaltserlaubnis für gut integrierte Jugendliche und Heranwachsende) finden Sie auf dem Infoblatt des Flüchtlingsrats Sachsen-Anhalt.

Aufenthaltserlaubnis für qualifizierte Geduldete

Sie können eine Aufenthaltserlaubnis für qualifizierte Geduldete zum Zweck der Beschäftigung (§18a  AufenthG) bekommen, wenn auf Sie eines der folgenden Szenarien zutrifft und Sie die unten genannten zusätzlichen Voraussetzungen erfüllen:

  • Sie waren Inhaber einer Ausbildungsduldung, haben Ihre Ausbildung erfolgreich abgeschlossen und haben anschließend einen Arbeitsplatz in Ihrem Beruf gefunden.
  • Sie haben ein Arbeitsplatzangebot, für welches eine qualifzierte Ausbildung oder ein Studium erforderlich sind.
  • Sie haben eine Berufsausbildung oder ein Studium in Deutschland abgeschlossen.
  • Sie haben einen in Deutschland anerkannten ausländischen Hochschulabschluss und üben seit mindestens zwei Jahren eine qualifizierte Beschäftigung in Deutschland aus.
  • Sie arbeiten seit mindestens drei Jahren als Fachkraft in Deutschland und haben seit mindestens einem Jahr Ihren Lebensunterhalt überwiegend durch eigenes Einkommen gesichert.

Zusätzlich müssen Sie in allen fünf Fällen folgende Voraussetzungen erfüllen:

  • Die Bundesagentur für Arbeit muss Ihrem Antrag zustimmen. Es wird aber keine Vorrangprüfung durchgeführt.
  • Sie müssen über ausreichend Wohnraum verfügen.
  • Sie müssen Deutsch auf dem Niveau B1 sprechen.
  • Sie dürfen keine Verbindungen zu terroristischen oder extremistischen Organisationen haben.
  • Sie dürfen keine größeren Straftaten begangen haben.
  • Ihr Lebensunterhalt muss überwiegend durch eigenes Einkommen gesichert sein.
  • Sie haben Ihre Abschiebung nicht durch Täuschung oder fehlende Mitwirkung verhindert.

Wo und wie kann ich die Aufenthaltserlaubnis beantragen?

Eine Aufenthaltserlaubnis beantragen Sie in der für Sie zuständigen Ausländerbehörde. Erkundigen Sie sich bei Ihrer Ausländerbehörde nach dem dafür passenden Formular. Und fragen Sie, ob Sie den Antrag schriftlich stellen sollen oder ob Sie dafür einen Termin benötigen. In der Regel können Sie den Antrag schriftlich stellen. Schicken Sie dazu das ausgefüllte Formular und Kopien Ihrer Nachweise (Sprachzertifikate, Arbeitsvertrag, Ausbildungsvertrag, …) an Ihre Ausländerbehörde. Wenn Sie einen Termin benötigen: Vereinbaren Sie den Termin und bringen Sie zum Termin alle Ihre Nachweise und das ausgefüllte Formular mit.