Wer bekommt einen Reiseausweis für Flüchtlinge?

Sie bekommen einen Reiseausweis für Flüchtlinge („blauer Pass“), wenn Sie in Deutschland als Asylberechtigter oder Flüchtling anerkannt sind. Nach Artikel 28 der Genfer Flüchtlingskonvention (GFK) haben Sie dann grundsätzlich das Recht auf einen Reiseausweis. Nur Personen, die z.B. wegen der Mitgliedschaft in einer Terrororganisation verurteilt wurden, haben keinen Anspruch auf den Reiseausweis.

Wenn Sie subsidiär schutzberechtigt sind oder ein nationales Abschiebeverbot für Sie gilt, bekommen Sie keinen Reiseausweis für Flüchtlinge. In diesem Fall müssen Sie einen Pass bei Ihrer Heimatbotschaft beantragen. Wenn Ihre Botschaft Ihnen keinen Pass ausstellt, können Sie bei der Ausländerbehörde einen Reiseausweis für Ausländer beantragen. Mehr dazu erfahren Sie in unserem Kapitel „Auslandsreisen als Geflüchteter“.

Achtung: Wenn Sie subsidiär schutzberechtigt sind oder Sie eine Aufenthaltserlaubnis aufgrund eines nationalen Abschiebungsverbots bekommen haben und gegen die Entscheidung des BAMF klagen, um die Anerkennung als Flüchtling zu bekommen, sollten Sie nicht zu Ihrer Heimatbotschaft gehen. Das BAMF könnte den Botschaftsbesuch als Beweis werten, dass Sie in Ihrem Heimatland nicht verfolgt werden.

Wohin kann ich mit dem Reiseausweis reisen?

Sie können mit Ihrem blauen Pass in alle Länder reisen, die die Genfer Flüchtlingskonvention unterzeichnet haben. Das sind weltweit über 100 Staaten. Auf fluechtlingskonvention.de können Sie sehen, welches Länder das sind. Für viele Länder müssen Sie aber vorab ein Visum beantragen. Ob sie dieses Visum bekommen, ist die Entscheidung des Landes, in das Sie reisen möchten.

Sie dürfen auf keinen Fall in Ihr Heimatland reisen. Wenn die Ausländerbehörde oder das BAMF davon erfahren würden, würde Ihre Asylberechtigung bzw. Anerkennung widerrufen und Sie würden Ihr Aufenthaltsrecht für Deutschland verlieren.

Bitte beachten Sie: Im Ausland haben Sie keinen Anspruch auf diplomatischen oder konsularischen Schutz durch Deutschland.

In welche Länder kann ich ohne Visum reisen?

Mit dem blauen Pass können Sie in die so genannten „Schengen-Staaten“ ohne Visum einreisen, wenn

  • Ihr Aufenthalt nicht länger als drei Monate dauert und
  • Sie dort nicht arbeiten. 

Zu den Schengen-Staaten gehören aktuell die folgenden Staaten: Belgien, Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Italien, Lettland, Litauen, Luxemburg, Malta, die Niederlande, Österreich, Polen, Portugal, Schweden, die Slowakei, Slowenien, Spanien, die Tschechische Republik, Ungarn sowie Island, Liechtenstein, Norwegen und die Schweiz.

 

 

Wie lange darf ich verreisen?

Sie dürfen bis zu sechs Monate am Stück im Ausland sein. Wenn Sie länger als sechs Monate nicht in Deutschland sind oder ausreisen, um dauerhaft in einem anderen Land zu leben, können Sie Ihre Aufenthaltserlaubnis - und damit auch den blauen Pass - verlieren.

Wo und wie bekomme ich einen Reiseausweis?

Die für Sie zuständige Ausländerbehörde stellt Ihnen den Reiseausweis aus. Sie bekommen ihn in der Regel zusammen mit Ihrem Aufenthaltstitel. Die für Sie zuständige Ausländerbehörde finden Sie auf webgis.bamf.de.

Auch wenn Sie Sozialleistungen (z.B. vom Jobcenter) bekommen, müssen Sie für den Reiseausweis Geld bezahlen. Wie viel Sie bezahlen müssen, hängt von Ihrem Alter und Ihrem Status ab. Die Ausstellung des Reisepasses kann bis zu 100€ kosten.

Sie brauchen außerdem ein biometrisches Passbild (das Sie in einer Fotobox oder in einem Fotostudio machen können), eine Meldebestätigung („polizeiliche Anmeldung“) und den Bescheid über Ihre Anerkennung als Asylberechtigter oder Flüchtling vom BAMF. Normalerweise braucht die Ausländerbehörde sechs bis acht Wochen für die Ausstellung Ihres Reiseausweises.

 

Was ist ein eReiseausweis?

Seit November 2007 sind die Reiseausweise mit einem elektronischen Chip versehen und heißen deswegen eReiseausweis oder ePass. Um mehr Sicherheit zu gewährleisten, werden in dem Chip Ihre Daten elektronisch gespeichert. Die Ausländerbehörde nimmt Ihnen deswegen Ihre Fingerabdrücke ab. Die Daten können nur mit speziellen Geräten und von Behörden gelesen werden. Ihre Fingerabdrücke sind noch einmal extra geschützt und können nur von Staaten eingelesen werden, die von Deutschland spezielle Zugriffsrechte erhalten haben. Sie selbst können die Daten in der Ausländerbehörde an den ePass-Lesern einsehen.

Wie lange ist mein Reiseausweis gültig?

Der Reiseausweis darf nur so lange gültig sein, wie Sie eine Aufenthaltserlaubnis besitzen. Ihr Reiseausweis für Flüchtlinge („blauer Pass“) ist also ungefähr drei Jahre gültig. Nach drei Jahren müssen Sie einen neuen Reiseausweis beantragen.

Stellen Sie rechtzeitig – am besten zwei bis drei Monate - vor Ablauf einen Antrag auf einen neuen Reiseausweis. Mehr dazu erfahren Sie in unserem Kapitel „Aufenthaltserlaubnis“.

Ich habe meinen Reiseausweis verloren

Wenn Sie Ihren Reiseausweis verlieren, müssen Sie dies umgehend bei der Polizei anzeigen. Falls Sie ihn wiederfinden sollten, müssen Sie das auch umgehend melden. Einen neuen Reiseausweis müssen Sie bei der für Sie zuständigen Ausländerbehörde beantragen. Die für Sie zuständige Ausländerbehörde finden Sie auf webgis.bamf.de.

Ich habe meinen Wohnsitz geändert, was muss ich tun?

Wenn Sie in eine andere Stadt oder Kommune umziehen, müssen Sie die neue Adresse in Ihrem Pass eintragen lassen. Normalerweise macht dies die Ausländerbehörde vor Ort. Die für Sie zuständige Ausländerbehörde finden Sie auf webgis.bamf.de.

Sind der blaue Pass und die "Blaue Karte EU" das Gleiche?

Die blaue Karte EU hat rechtlich nichts mit den Schutzformen für Geflüchtete zu tun und ist kein Pass. Sie ist ein Aufenthaltstitel für Hochqualifizierte aus Nicht-EU-Ländern, die in einem EU-Land arbeiten wollen und einen Arbeitsplatz nachweisen können. Mehr dazu erfahren Sie in unserem Kapitel „Migration nach Deutschland“ und auf der Seite des BAMF.