Was machen die Wahlhelfer*innen?

Bei den Wahlen werden viele helfende Hände benötigt. Wahlhelfer*innen können nur Leute sein, die selbst auch wahlberechtigt sind. Alle Wahlhelfer*innen arbeiten ehrenamtlich. Sie geben die Stimmzettel aus, kontrollieren, ob die Wahlberechtigten im richtigen Wahllokal sind, und zählen die Stimmen nach Schließung der Lokale aus. Wenn Sie selbst wahlberechtigt sind, können Sie sich bei Ihrem Rathaus, Bürgerbüro oder Bezirksamt vor Ort als Wahlhelfer*in anmelden.

Welche Grundsätze gelten für alle Wahlen in Deutschland?

Die Wahlen in Deutschland müssen die folgenden Voraussetzungen erfüllen:

  • allgemein: Alle deutschen Staatsbürger*innen dürfen wählen und gewählt werden, wenn Sie mindestens 18 Jahre alt sind.
  • unmittelbar: Die Abgeordneten werden direkt oder über eine Liste gewählt und nicht über Wahlfrauen oder –männer wie z.B. in den USA.
  • frei: Es gibt keine Wahlpflicht. Niemand darf gezwungen werden zu wählen.
  • gleich: Jede Stimme zählt gleich viel.
  • geheim: Nur das Gesamtergebnis wird veröffentlicht. Die einzelne Stimme der Wähler*innen bleibt geheim.

Was ist die "Fünf-Prozent-Hürde"?

Bei der Bundestagswahl und zum Teil auch bei den Landtagswahlen gibt es die sogenannte „Fünf-Prozent-Hürde“. Diese Regelung bedeutet folgendes: Eine Partei muss mindestens fünf Prozent der abgegebenen Wählerstimmen oder drei Direktmandate erhalten, damit sie im Parlament vertreten sein kann. Diese Regelung soll eine Zersplitterung in zu viele kleine Parteien im Parlament verhindern.

Was sind "Überhangmandate"?

Sogenannte „Überhangmandate“ sind der Grund, weshalb die Anzahl der Abgeordneten im Bundestag nach jeder Bundestagswahl unterschiedlich ist.

Die Zweitstimme der Wähler*innen regelt, wie viele Sitze einer Partei im Parlament zustehen. Erhält eine Partei aber mehr Sitze über die Erststimme, als ihr über die Zweitstimme zustehen, bekommt sie Überhangmandate. Sie darf also zusätzliche Abgeorndete in den Bundestag schicken. Damit das Kräfteverhältnis zwischen allen Parteien bestehen bleibt, erhalten die übrigen Parteien sogenannte „Ausgleichsmandate“ – sie dürfen auch zusätzliche Abgeordnete ins Parlament schicken.

Das hat zur Folge, dass die vorgesehene Anzahl von 598 Abgeordneten meistens überschritten wird. Nach der Bundestagswahl 2021 sitzen 736 Abgeordnete im Bundestag – so viele wie noch nie zuvor.

Wie viele Überhang- und Ausgleichmandate die Parteien erhalten, wird anhand komplizierter Formeln berechnet. Unser Erklärfilm zu Überhangmandaten zeigt ein einfaches Beispiel.

Wie wird die Regierung gebildet?

Wegen des speziellen Wahlsystems kann eine einzelne Partei in Deutschland nur selten alleine die Regierung bilden. Dazu müsste sie mehr als 50 % der Mandate erhalten. Darum ist ein Regierungsbündnis der Normalfall. Das heißt, das zwei oder mehr konkurrierende Parteien sich zu einer Koalition zusammenschließen und gemeinsam regieren. Deswegen machen die einzelnen Parteien schon vor den Wahlen Aussagen zu möglichen Koalitionspartnern. 

 

Wie hoch ist die Wahlbeteiligung?

Bei jeder Wahl wird die Wahlbeteiligung gemessen, also der Anteil der Wahlberechtigten, die tatsächlich wählen gegangen sind. Die Wahlbeteiligung bei den Bundestagswahlen ist in Deutschland traditionell hoch. In den siebziger Jahren lag sie über 90 Prozent. Seit der Wiedervereinigung 1990 lag sie bei 80 Prozent. Im Jahr 2021 beteiligten sich 76,6 Prozent der Wahlberechtigten.  

Wie kann ich sonst politisch aktiv werden?

Auch wenn Sie nicht selbst wählen dürfen, gibt es viele Möglichkeiten, politisch aktiv zu werden.

  • Sie können sich zum Beispiel einer Bürgerinitiative anschließen. In Bürgerinitiativen werden Menschen gemeinsam für ein Anliegen aktiv, zum Beispiel für den Bau einer Straße oder den Schutz eines Parks. Nachdem das Ziel erreicht wurde, löst sich die Bürgerinitiative in der Regel wieder auf.
  • Wenn Sie sich langfristig politisch engagieren wollen, könnte ein Interessensverband eine Möglichkeit sein. Hier setzen Sie sich für ein bestimmtes Thema ein, z.B. für mehr Umweltschutz oder Arbeitnehmerrechte.
  • Sie können aber auch einer Partei beitreten, Partner- oder Unterorganisationen deutscher Parteien gründen oder in den Kommunen bei Migrantenorganisationen oder Integrationsbeiräten mitarbeiten. Mehr zum Thema Parteien erfahren Sie in unserem Kapitel "Politische Parteien".