Was ist Behinderung?

Behinderung wird als eine Einschränkung körperlicher, seelischer oder geistiger Fähigkeiten definiert, die länger als sechs Monate dauert und eine Person daran hindert, ein für ihr Alter typisches Leben zu führen. Als Behinderung zählen nicht nur körperliche und geistige Behinderungen, sondern auch chronische Krankheiten (z.B. Rheuma, Multiple Sklerose, Krebs) und psychische Erkrankungen.

Es gibt verschiedene Grade von Behinderungen (kurz: GdB), die zwischen 20 und 100 variieren können. Je höher Ihr GdB ist, desto schwerer ist Ihre Behinderung und desto mehr Unterstützung erhalten Sie vom Staat. Ihr GdB wird von Ihrem Arzt bestimmt.

Unterstützt der Staat Menschen mit Behinderung?

Der deutsche Staat unterstützt Menschen mit Behinderung, um die Nachteile, die behinderte Menschen aufgrund ihrer Behinderung haben, auszugleichen. Das nennt man „Nachteilsausgleich.“

Behinderte Menschen können z.B. folgende Unterstützung bekommen:

  • besondere medizinische Betreuung
  • Unterstützung bei der Jobsuche oder dabei, ihren Job zu behalten
  • eine Haushaltshilfe
  • Unterstützung bei den Kosten für die Kinderbetreuung
  • kostenlose Nutzung von Bussen & Bahnen
  • Sie können früher in Rente gehen
  • Sie müssen weniger Steuern bezahlen
  • Aber nicht jede Person mit einer Behinderung bekommt jede Unterstützung. Es hängt von Ihrer persönlichen Situation ab, ob und welche Unterstützung Sie bekommen.

Um Unterstützung vom Staat zu beantragen, müssen Sie sich zuerst für einen „Schwerbehindertenausweis“ registrieren.  Nur Menschen mit einer schweren Behinderung (ein GdB von 50 oder höher) können diesen Ausweis bekommen. Um den Schwerbehindertenausweis zu beantragen, müssen Sie ein Formular ausfüllen und dieses Formular zusammen mit all Ihren ärztlichen Attesten beim für Sie zuständigen Versorgungsamt abgeben. Das für Sie zuständige Versorgungsamt finden Sie auf integrationsaemter.de. Falls Ihr GdB niedriger als 50 ist, können Sie unter bestimmten Umständen trotzdem die für Sie notwendige Unterstützung bekommen. Lassen Sie sich in diesem Fall von einer Migrationsberatungsstelle helfen.

Bitte beachten Sie: Den Schwerbehindertenausweis können Sie unabhängig von Ihrem Aufenthaltsstatus beantragen. Das heißt, auch wenn Sie noch im Asylverfahren sind oder eine Duldung haben, können Sie einen Schwerbehindertenausweis bekommen.

Wo finde ich Beratung & Unterstützung?

Sie können sich zum Beispiel an eine Migrationsberatung für Erwachsene wenden. Wenn Sie jünger als 27 Jahre sind, können Sie sich bei einem Jugendmigrationsdienst in Ihrer Nähe beraten lassen. Alle Beratungsstellen unterstützen auch Menschen mit Behinderung. Die Mitarbeiter in den Migrationsberatungen und Jugendmigrationsdiensten sprechen verschiedene Sprachen. Geflüchtete können sich zudem auf Deutsch und Englisch unter der Telefonnummer 069-242 31472 oder der Email proasyl@proasyl.de an ProAsyl wenden.

Außerdem können Sie sich an einen der fünf Verbände und Vereinigungen für Menschen mit Behinderung in Deutschland wenden. Hier können Sie sich zu Arbeit, Krankenversicherung und anderen Themen, die Ihre Bedürfnisse als Mensch mit Behinderung betreffen, auf Deutsch beraten lassen.

Wo finde ich Unterstützung für Kinder mit Behinderung?

Das Jugendamt in Ihrer Kommune oder Ihrem Bezirk ist für Kinder mit Behinderung zuständig. Sie erhalten dort Beratung und Unterstützung. Auf www.jugendaemter.com  finden Sie das für Sie zuständige Jugendamt. Informationen über Ihre Rechte und Möglichkeiten finden Sie außerdem auch auf www.familienratgeber.de und www.kindergesundheit-info.de. Auf www.bvkm.de finden Sie eine Broschüre über Hilfen für behinderte Kinder in verschiedenen Sprachen. Unter www.patiententelefon.de finden Sie eine Linksammlung und Telefonnummern für Eltern von Kindern mit Behinderung.

Die Inklusion von Kindern mit Behinderung an regulären Schulen wird in Deutschland gefördert. Es gibt aber auch spezielle Schulen für Kinder mit Behinderungen, die auf die besonderen Bedürfnisse der Kinder eingestellt sind. Das für Sie zuständige Jugendamt oder eine Migrationsberatungsstelle können Sie dazu beraten. Das für Sie zuständige Jugendamt finden Sie auf familieportal.de.